Tipps & Tricks und die wichtigsten Infos für dich zum Thema Camino del Norte

Pilgern Jakobsweg

© Lena Feldhofer

 

Hallo 😃

Es freut mich zu sehen, dass euch das Interview mit Lena zum Thema Jakobsweg interessiert hat. Nun darf ich euch den zweiten Teil präsentieren: Tipps und Infos zum Camino del Norte.

 

Was ist der Camino del Norte eigentlich genau?

Der Camino del Norte wird auch gerne Camino de la Costa oder der Jakobsweg-Küstenweg genannt. Alle Begriffe meinen das gleiche, nämlich den Jakobsweg nicht entlang der klassischen Route im Landesinneren, sondern nahe am Meer entlang der spanischen Küste zu wandern.

Der Weg führt von der Stadt Bilbao nach Santiage de Compostella, wenn man möchte kann man sogar noch bist Finsterre weiterlaufen. Der Camino del Norte ist 860 Kilometer lang und nach dem Camino Primitivo der älteste Jakobsweg den es gibt. Wenn man möchte, bietet der Küstenweg zahlreiche möglichkeiten direkt am Meer bzw. am Sandstrand engtlang zu laufen. Der Weg selbst ist gut ausgeschildert und das ganze Jahr begehbar. Der Küstenweg ist ein kleines Abenteuer, das Herbergennetz ist nicht so dicht wie beim Klassiker Camino Francés und viele Spanier die man am Weg trifft sprechen kein Englisch sondern ausschließlich spanisch. Ein weiteres Highlight ist, das man fern von den Touristen- bzw. Pilgerströmen läuft: 70% aller Pilger gehen den Camino Francés, der Camino del Norte ist dagegen noch sehr ruhig, ausgenommen von Juli bis August – da sind auch hier viele Pilger unterwegs.

 

Etappen

Die genauen Etappen des Camino del Norte findest du super aufgelistet HIER.

 

Inspiration

Da es ja schön und gut ist diese ganzen Infos zu lesen, habe ich dir auch noch ein kleines Einstiegs-Video rausgesucht ☺️

 

 

Interview Teil 2

Wie du wahrscheinlich oder hoffentlich schon gelesen hast, ist Lena auch den Camino del Norte gegangen und hat sich freundlicherweise für dich interviewen lassen. Hier findest du noch einmal das komplette Interview mit Lena: Interview: Erfahrungen am Jakobsweg Camino del Norte

Hard Facts Lena

 

Da ich dir aber Lenas sozusagen Fazit nicht vorenthalten möchte, und sie dir sogar noch einige Tipps für den Jakobsweg dagelassen hat, möchte ich dir hier noch den letzten Teil des Interviews mit Lena zeigen:

An was hast du beim Wandern den ganzen Tag gedacht?

Man denkt sicherlich über Sachen nach, wo man nicht mal gewusst hat das es ein Problem ist. Es ist aber auch der Zauber vom Camino, dass du zum Beispiel keinen Bock mehr hast du gehen und dann kommt jemand daher und fragt einen ob man nicht zusammen ein Stück gehen möchte. Da redet man dann meistens gut miteinander und derjenige erzählt dir dann etwas und plötzlich denkst du dir: Wow, das ist genau die Lösung für mein Problem. Natürlich denkt man dann auch oft über das frisch gewaschene Bett nach, oder an Oma’s Schnitzel. Eben über so Sachen die dir abgehen, wie eine gescheite Dusche, oder am Klo zu sitzen mit dem Handy.

 

Hattest du einen religiösen Hintergrund zum Jakobsweg oder einen spirituellen?

Also ich bin weder bei der katholischen Kirche oder sonst irgendwas, ich bin auch mäßig religiös erzogen worden, würde ich mal sagen. Was ich so mitbekommen habe, hatte das auch weniger mit dem religiösen Hintergrund zu tun. Die Leute sind zu Pilgern so arg nett, das kann man sich gar nicht wirklich vorstellen. So in die Richtung: „Oh mein Gott du bist Pilger. Du bist ja eh schon so arm weil du pilgerst.“ Ich glaub aber, dass man sich selbst findet und sich selbst neu kennenlernt. Man lernt mit den Leuten die man kennenlernt auch einfach mehr zu vertrauen. Außerdem lernt man, dass man im Leben nicht alles planen kann und genau das ist das spannende.

 

Hattest du in irgendeiner Situation Angst?

Nein also vor Menschen war das nie der Fall. Ich habe dort wirklich die nettesten Menschen der Welt kennengelernt. Man ist auch immer ganz durchgemischt, ich bin auch mit 90-Jährigen am Tisch gesessen die den Camino gehen oder mit einer Mutter die frisch verlassen worden ist und mit ihren beiden Kindern nun nur einen Teil vom Camino geht. Da ist auch wieder das Verhältnis untereinander. Du bist einfach nur Pilger und wirst in keine Klassen eingeteilt, denn du bist jetzt einfach da und du bist Pilger und das ist alles was du bist. Jedem ist egal wie du aussiehst und du hast auch keine Möglichkeit Geld auszugeben, darum spielt Geld auch keine Rolle. Ein nicht so schönes Erlebnis hatte ich mit Hunden, aber das passiert halt einfach auch.

Camino del Norte

© Lena Feldhofer

Was war das forderndste oder härteste auf deinem Weg?

Das Weitergehen und nicht die Laune zu verlieren. Man sagt zwar das die erste Woche zach ist, die zweite Woche hat man emotional zu kämpfen und nach der dritten Woche ist man am Camino angekommen. Das ist aber Bullshit. Du gehst da deine drei Wochen und irgendwann denkst du dir so, Fuck jetzt bin ich schon so weit gegangen jetzt hör ich sicher nicht mehr auf. Es ist nicht so emotional und dann wird es auf einmal leichter, bei mir war es halt so, dass ich mir dachte: „Hey du bist schon 400 Kilometer gegangen, du hast noch 200 vor dir. Aber die 200 gehst du jetzt auch noch. Du hast schon so viel geschafft, jetzt drehst du sicher nicht mehr um.“

 

Kannst du einen Tipp für zukünftige PilgerInnen am Jakobsweg geben?

Auf jeden Fall alleine gehen. Man braucht keine Blasenpflaster und keine Medikamente, denn wenn man mal eine Volteren oder so braucht, das ist in Spanien spottgünstig und braucht man sich wirklich nicht mitnehmen. Man braucht sich keinen Stress mahcne, das einzig wichtige ist, dass man sich den Pilgerpass beantragt und einpackt, ansonsten kommt man in die Herbergen nicht rein. Das man weiche Schuhe anhat und das man einfach alles ein bisschen auf sich zukommen lasst. Ich glaub es gibt nämlich nichts schlimmeres, als mit ein bisschen zu wenig Zeit auf den Camino zu kommen und dann Stress beim gehen zu entwickeln. Das habe ich auch bei manchen gesehen und das wird dann sehr unlustig, weil man nicht mehr auf den eigenen Körper hört und sich vielleicht sogar noch weh tut. Vielleicht auch noch ganz wichtig ist ein Seidenschlafsack für die Herbergen um nicht direkt auf der Matratze schlafen zu müssen. Und das wichtigste sind Flip-Flops als Zweitschuhe. Keine Wandersandalen, stinknormale Flip-Flops die drei Nummern zu groß sind, sind perfekt.

 

Abschließende Worte?

Wir sind am letzten Tag mitten in der Nacht losgegangen und waren sozusagen alleine als wir nach Santiago eingegangen sind. Es war sogar noch ein wunderschöner Sternenhimmel. Es war einfach geil, wir sind in Santiago auf diesem Kathedralenplatz gesessen. Allein. Und sonst ist es halt von 8:00 Uhr morgens an wirklich voll mit Pilgern und anderen Leuten. Das war wirklich das Geile, das der Platz uns gehört hat und dass wir realisieren konnten, dass wir es geschafft haben. Es war schräg wie wir angekommen sind: Zu wissen, dass wir am nächsten Tag nicht losgehen müssen. Es ist auch total schräg, dass du einkaufen kannst, weil du ja weißt du hast nicht mehr weit*. Wenn du dann dort bist dann realisierst du, dass es wirklich stimmt: Der Weg ist das Ziel. Denn du könntest leicht nochmal 600 Kilometer gehen, jetzt ist es dir wurscht. Der Anfang ist zwar zach, aber wenn du einmal drinnen bist im gehen, dann geht es.

*Lena ist weiter bis nach Finsterre gewandert. 

 

Falls du näheres über Lena erfahren möchtest: HIER gehts zu ihrem Blog appleorangeandwodka.

 

 

Bilder vom Camino del Norte

Weitere Informationen findest du unter:

Camino del Norte

Jakobsweg-Küstenweg

Camino del Norte bei Nacht

© Lena Feldhofer

 

Ich hoffe ich konnte dir bei deinen Plänen und Recherchen rund um den Jakobsweg weiterhelfen.

Über ein Kommentar würde ich mich MEGA freuen. Vielleicht hast du ja schon die eine oder andere Erfahrung gemacht oder auch ganz andere Tipps für mich?! 😉

Alles Liebe,

Kerstin

 

MerkenMerken