Hallo da draußen 😊

Heute habe ich etwas ganz Besonders für euch: ein Interview mit Lena über den Jakobsweg.

Lena ist eine Bekannte von mir und ist letztes Jahr den Camino del Norte gegangen. Der Camino del Norte ist die Jakobsweg-Variante, die entlang der Küste von Spanien verläuft. Doch genug geredet, hier sind erstmal die wirklich harten Fakten über Lena:

Hard Facts Lena

 

Aber WARUM WIESO WESHALB macht man so etwas, wirst du dich jetzt fragen? Lena sieht doch ganz symphatisch, nett und nicht so irre aus einen Monat lang durch Spanien zu wandern? 🤔

 

Also Lena warum hast du das denn getan?

Ich brauchte etwas Veränderung in meinem Leben und da war der Camino perfekt. Ich habe davor einige Bücher über das Wandern gelesen und zu pilgern hat sich dann einfach angeboten, wahrscheinlich weil es genau das war was ich gesucht habe.

 

Gut, und wo hast du mit dem Pilgern begonnen? Und wohin bist du eigentlich gelaufen?

Ich bin in Bilbao gestartet und letztendlich über Santiage de Compostela nach Finisterre gewandert.

 

Sehr interessant! Zu welcher Jahreszeit hast du das gemacht?

Im Hochsommer sozusagen. Ich bin von Juli bis August unterwegs gewesen und bin 5,5 Wochen gegangen. Das war aber mit Ruhetagen und einer Pause in Santiago und Finstere.

 

Das muss man erstmal schaffen!! Im Hochsommer. Unglaublich! Wie viele Kilometer hast du da pro Tag zurückgelegt?

Im Schnitt circa  28-32 Kilometer, manchmal auch unter 18 Kilometer, aber  manchmal  sogar 45 Kilometer! Das kam ganz auf meine Tagesverfassung an.

 

Bevor es mit den wirklich spannenden Fragen rund um den Jakobsweg, das Pilgern und Lena los geht, möchte ich noch auf die Landkarte ganz oben im Artikel verweisen. Hier kannst du dir den genauen Routenverlauf ansehen. Wenn du noch nähere Infos zum Jakobsweg haben möchtest, HIER findest du sie bestimmt.
Pilgern Jakobsweg

© Lena Feldhofer

 

Bevor du nun das folgende Interview verschlingen wirst, möchte ich dir noch sagen, dass Lena eine von tausend Möglichkeiten gewählt hat, um den Jakobsweg zu gehen. Ich meine damit, dass das keine strikte Vorgabe ist wie du pilgern sollst, sondern eine Möglichkeit, eine Hilfestellung. Aber nun genug davon, Lena muss dir schließlich noch von ihrem Abenteuer berichten:

 

Warst du vorher schon sportlich oder grundsätzlich am Wandern interessiert?

Ich  würde sagen ich war so mäßig wandern, wie halt jeder Österreicher wandern geht, aber kurz vor dem Camino hab ich dann begonnen meine Rückenmuskulatur aufzubauen. Ich hab mit dem Training begonnen, weil ich eben mit dem Zelt unterwegs war und ich gewusst habe, dass das dementsprechend schwerer wird. Ich hatte dann mit dem Rucksack keine größeren Probleme, aber manche Wehwehchen wie zwicken am Rücken oder auch wunde Stellen am Rücken, hatte ich natürlich trotzdem.

 

Hast du dich auch mental vorbereitet?

Nein, aber ich glaube das kann man auch gar nicht. Ein Freund von mir hat so schön gesagt: „Wenn man sich auf den Camino vorbereiten kann, dann braucht man ihn gar nicht mehr gehen!“.  Den Camino kann man auch nur gehen, wenn man ein bisschen verrückt ist und nicht mehr alle Dinge beieinander hat, ansonsten tut man sich sowas gar nicht an und man braucht ihn auch gar nicht mehr.

 

Jakobsweg Pilgern

© Lena Feldhofer

 

Warst du alleine unterwegs?

In der ersten Woche habe ich ein paar Pilger kennengelernt. Ich bin aber trotzdem oft allein losgegangen und wir haben uns erst am Abend wieder getroffen. So wie es sich halt ergeben hat. Man braucht eh irgendjemanden, der dich ein bisschen motiviert. Ich denke, das wichtigste ist, dass man alleine auf den Camino kommt. Also alleine unterwegs ist. Man verliert von anderen Pilgern und Hospitaleros ganz schnell den Respekt, wenn man zu zweit den Camino startet. Denn das Einzigartige auf dem Jakobsweg ist, dass man das einzige mal im Leben für sich selbst ist. Man ist keine Tochter, keine Angestellte, keine Studentin, sondern nur man selbst und diese Erfahrung hat man nicht, wenn man zu zweit unterwegs ist. Man lernt sich erst allein wieder selbst kennen.

 

Wie hast du geschlafen?

80% der Zeit am Camino habe ich wirklich in einem Zelt geschlafen.   Ab und zu auch mal in einer Herberge. Jeder ist froh wenn du zeltest, du findest nämlich nur wenige Herbergen, die auch nur 20 Betten haben. Du kannst trotzdem den Strom und die Dusche nutzen und zahlst halt statt 5 Euro nur 2 Euro.

 

Ich hab gehört, dass es am Hauptweg eh ganz schlimm sein soll, bezüglich dem Loslaufen um 5 Uhr, damit man zu Mittag bei der Herberge ist, um noch einen Schlafplatz zu ergattern.

Das Frühaufstehen ist glaub ich ein Camino-Feeling. Und vor allem sind ganz viele der Leute 50+, wenn du jünger bist willst du vielleicht am Abend doch noch ein oder zwei Bier trinken, die Älteren sind dafür umso früher aufgestanden und losgegangen. Viele der älteren Pilger wollten auch der Mittagssonne entkommen und sind deshalb sehr früh gestartet. Wir sind halt eher später losgegangen und auch viel später in den Herbergen angekommen. Wir haben aber trotzdem immer noch einen Platz bekommen. Du musst da auf den Camino vertrauen, denn wenn nicht, dann brauchst du den Weg gar nicht zu gehen. Wir sind so oft besser ausgestiegen und haben wesentlich günstigere Herbergen gefunden, weil wir vertraut haben und die richtigen Leute zum richtigen Zeitpunkt kennengelernt haben.

 

Herbergen Jakobsweg

Die Herbergen sind definitiv nicht für ihren guten Geruch bekannt. © Lena Feldhofer

 

Beschreibe die Unterkünfte in drei Worten

Großartig, Ruhig und nur für mich.

 

Was hast du gegessen? Und wie hast du dich ernährt?

Ganz viel Weißbrot hab ich gegessen. Und natürlich Chorizo und Tapas. Du bekommst halt auch nichts anderes am Camino. Ein paar Mal sind wir essen gegangen, aber eintönig war es schon. Aber am Camino denkt man nicht sonderlich viel an die Ernährung, man ist froh über das was man bekommt und wenn man sehr hungrig ist, dann wird das einfache Essen schnell zu einem wirklich großartigem Festmahl.

 

Was hast du für deine Sicherheit getan? Hast du dir darüber Gedanken gemacht?

Nein, eigentlich nicht. Meine Mama und meine Schwester aber schon, sie haben mir Pfefferspray mitgegeben, den ich aber nie gebraucht habe. Das nächste Mal würde ich aber einen Trekkingstock mitnehmen, um einen bessern Schutz vor den Hunden am Camino zu haben.

 

Strand Jakobsweg

Der Vorteil am Camino del Norte: Man hat das Meer immer bei sich. © Lena Feldhofer

Fängt man irgendwann an einfach zu stinken? Oder hat man die Möglichkeit sich täglich zu duschen und die Klamotten zu waschen?

Es ist wirklich jedem scheißegal ob du stinkst oder nicht und wie du aussiehst. Du hast so wenig Kleidung mit, dass du keine Möglichkeit hast sie mal schnell zu waschen. Oft war es zu kalt draußen, dass die Sachen über Nacht getrocknet wären und bevor man in kalter, nasser Kleidung wandert, stinkt man eben lieber. In Herbergen ist es auch richtig übel: Man muss Schuhe und die Socken noch vor der Tür ausziehen. Trotzdem stinkt es richtig schlimm nach Fürzen, Schweiß und wirklich allem zusammen. Aber nach einiger Zeit riecht man das eh nicht mehr und außerdem riecht ja jeder gleich schlecht. Deo ist auch eher Platzverschwendung, es hat zwar jeder Pilger einen Luxusartikel mit, meiner war aber ein Shampoo und kein Deo.

 

Ganz ehrlich: Wie macht man das als Pilgerin mit den Toilettengängen?

Also für die großen Geschäfte hat man schon gewartet und gehofft, dass man ein Bad erwischt, aber grundsätzlich wenn es nicht möglich ist, sollte man halt schauen, dass man sich nicht unbedingt am Weg erleichtert. So etwas ist einem nicht einmal annähernd unangenehm oder Sonstiges. Es hockt zum Beispiel auch ganz oft jemand unerwartet hinter einem Busch.

 

Hast du dich auch einmal verlaufen?

Haha, ja nicht nur einmal!! Nein, ich hab mich voll oft verlaufen. Das Ding ist ja auch, dass es so super lustige Leute gibt, die die falsche Richtung markieren. Aber es gibt den gelben deutschen Pilgerführer und das ist wirklich der heilige Gral.  Jeder spricht dich an sobald er sieht das du das gelbe Buch hast, weil das Buch bereits so präzise geschrieben ist, dass wirklich alles genauestens erklärt ist. Aber man vergeht sich trotzdem immer noch. An einem Tag bin ich statt 28 Kilometer 41 Kilometer gegangen. Aber das gehört dazu.

 

Nach Jakobsweg

© Lena Feldhofer

 

Hattest du sonst noch Bücher dabei?

Ich hatte meinen Kindle dabei, weil es nett ist wenn man auch mal nicht mit allen Pilgern reden muss, sondern sich auch zurückziehen kann. Ich habe auch Musik mitgehabt, aber die habe ich wirklich für die Stunden aufgespart, wo das Gehen schon richtig schwer war und es mit der Musik wenigstens ein bisschen einfacher geht.

 

Musstest du auf öffentliche Verkehrsmittel zurückgreifen?

Ja ich habe mir das Knie verletzt und bin dann zweimal je eine kleine Tagesetappe mit dem Bus gefahren. Ein weiteres Mal hab ich neue Schuhe gebraucht und bin auch ein Stück gefahren.  Meine Füße waren zu diesem Zeitpunkt schon extrem angeschwollen und ich hatte schon einige Zehennägel verloren, da habe ich meinem Schweinehund nachgegeben und mir eine Busfahrt gegönnt.

 

Das war der erste Teil der Interviewreihe mit Lena. In den kommenden Tagen folgt noch ein kurzes Interview über  die Erfahrungen die Lena gemacht hat und wie sie das Pilgern rückblickend betrachtet. Außerdem dürft ihr euch über die Packliste von Lena freuen! Seid also gespannt und verpasst nicht den nächsten Artikel!

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Ich hoffe ihr hattet genau so viel Freude mit dem Interview wie ich! Hinterlasst mir doch ein Kommentar wenn es euch gefallen hat, oder wenn ihr ganz andere Erfahrungen am Jakobsweg gemacht habt.

Alles Liebe,

Kerstin